Zum 6. Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel

Gedenken und Erinnern beginnt in unserer Nachbarschaft                
vom 20.4. bis 31.5.2019

Auch 74 Jahre nach dem Ende des Naziterrors gibt es kein Vergessen. Ausgrenzung und Drangsalierung, die systematische Ermordung von Menschen, die aus "rassischen“, politischen und anderen Gründen nicht in die "Volksgemeinschaft“ passten, haben bis heute spürbare Wunden gerissen. Eimsbüttel, unser Stadtteil, ist da keine Ausnahme. Hier gab es eine Vielfalt jüdischen Lebens: Es waren Nachbarn, Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschüler, die bedroht oder ermordet wurden. Wir wollen ihre Stimmen nicht verstummen lassen, sie sollen nicht vergessen werden. Aber wir wollen auch Täterschaften ins Bewusstsein rücken, auch schweigendes Wegschauen, nicht wahrgenommene Verantwortung. Gerade in einer gesellschaftlichen Situation, in der die politische Rechte wieder Auftrieb bekommt und in einem Jahr, in dem Landtags- und Europawahlen anstehen, ist es wichtig, daran zu erinnern, was passieren kann, wenn weggesehen, den Feinden einer weltoffenen Gesellschaft das Wort geredet, sich an menschenfeindlichen Handlungen, gar an Ausschreitungen und Exzessen beteiligt wird. Erinnern heißt handeln!


Der sechste Monat des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel versammelt in den nächsten Wochen wieder rund 50 Veranstaltungen, in denen der Widerständigen und der Opfer gedacht werden wird. Insgesamt ist es uns gelungen, in den letzten sechs Jahren weit mehr als 300 Veranstaltungen zur Eimsbütteler Erinnerungskultur vorzustellen, nachdem die Bezirksversammlung Eimsbüttel 2013 beschlossen hatte, einen Gedenkmonat einzurichten.


Den Auftakt bilden die Gedenkveranstaltungen zu den Kindern vom Bullenhuser Damm am 20. April. Unmittelbar vor Kriegsende wurden am 20. April 1945 im Außenlager „Bullenhuser Damm“ des KZ Neuengamme 20 Kinder getötet, die man wenige Monate zuvor aus den KZ Auschwitz-Birkenau dorthin gebracht hatte. An ihnen waren sadistische „medizinische Versuche“ durchgeführt worden. Gefoltert im Dienste der Rassenideologie der Nazis, ermordet zur Vertuschung dieser Verbrechen – seit nunmehr 40 Jahren wird ihrer Leidensgeschichte gedacht, angestoßen durch private Initiative und seit 1999 betreut von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Am 8. Mai werden wieder Schulklassen und viele Hamburger*innen zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 aus den Büchern verfolgter und verbannter Autor*innen lesen – dieses Jahr bereits zum 19. Mal. Die Geschichtswerkstatt Eimsbüttel zeigt eine Ausstellung zur Bauhausarchitektur in Lokstedt und ist mit mehreren Veranstaltungen beteiligt. Das Stadtteilzentrum Eidelstedter Bürgerhaus veranstaltet einen Abend und eine Radtour über den Widerstand in Eidelstedt und Eidelstedt unterm Hakenkreuz. Der Bedeutung von Bildquellen widmet das Institut für die Geschichte der deutschen Juden eine Online-Ausstellung: "Bildgeschichte(n). Jüdische Privatfotografie im 20. Jahrhundert“, Lesungen, Theateraufführungen, Stadtrundgänge, Stolpersteinputzaktionen und Synagogenführungen werden organisiert.


Die Eimsbütteler*innen und alle Hamburger*innen sind herzlich eingeladen, sich mit unserem Programm auseinanderzusetzen, sich im gesamten Bezirk an Aktionen zu beteiligen und diese Veranstaltungen zu besuchen. Wir wünschen uns für den sechsten Monat des Gedenkens in Eimsbüttel Aufmerksamkeit, reges Interesse und zahlreiche Teilnehmende.


Redaktion AG Monat des Gedenkens in Eimsbüttel