Geleitwort des Vorsitzenden der Bezirksversammlung Eimsbüttel

Liebe Eimsbütteler Mitbürger*innen, liebe Hamburger*innen,

derzeit beschäftigen sich viele Hamburger*innen mit einem der spannendsten und wichtigsten Projekte der letzten Jahre: einem Wiederaufbau der Synagoge am Bornplatz.

Den Bornplatz mit seinem Mosaik von Margrit Kahl kennen Sie alle. Einst Ort der ersten freistehenden Synagoge Hamburgs an exponierter Stelle, steht dieser Ort heute für das Gedenken an die Schrecken der Shoah und als ein Erinnerungsort für die Angehörigen der Opfer.

Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Hamburg und weiteren Interessierten wird überlegt, wie eine neue Synagoge realisiert werden kann, um dem jüdischen Glauben, den Jüd*innen und dem jüdischen Leben, wieder ganz selbstverständlich einen Raum im Herzen unserer Stadt zu geben, wo die Ausübung des Glaubens, Gedenken und Erinnern möglich sind.

Der Monat des Gedenkens leistet seit Jahren mit seinen Veranstaltungen, die auf verschiedene Weise das Leid der Shoah, aber auch das jüdische Leben, das Leben der Sinti und Roma und anderer von den Nationalsozialisten verfolgter Gruppen zeigen, eine äußerst wichtige Arbeit in diese Richtung.

Das Gedenken an diese Schreckenszeit wird nicht etwa mit der Zeit unwichtiger, nein, es gewinnt an Wichtigkeit. Immer mehr Zeitzeug*innen versterben, gleichzeitig beobachten wir ein Erstarken rechter Tendenzen und Ressentiments gegenüber Minderheiten.

Wir müssen klare Zeichen setzen, dass Fremdenfeindlichkeit, Judenhass und die Ablehnung ethnischer und religiöser Minderheiten keinen Raum in unserer Gesellschaft haben.

Der von der Bezirksversammlung initiierte Monat des Gedenkens, der seit Jahren von engagierten Ehrenamtler*innen getragen und organisiert wird, ist gelebte Erinnerungskultur. Er bildet und mahnt uns, aber er unterhält uns auch und baut so Berührungsängste und Ressentiments ab.

Bereits zum zweiten Mal unterliegt dieser Gedenkmonat vielen Einschränkungen der Corona-Pandemie, die unser Leben so stark verändert hat.

Ich bin überzeugt, so gerne ich auch mit Ihnen und den Organisator*innen vor Ort ins Gespräch kommen würde, dass eine Mischung aus digitalen Angeboten und Veranstaltungen vor Ort uns allen auch dieses Jahr wieder die verschiedenen Aspekte des Gedenkens aufzeigen wird und uns viele Impulse für unsere Mitarbeit an einer aktiven Erinnerungskultur gewinnen lässt.

Ich danke allen Organisator*innen, dass Sie auch unter den diesjährigen erschwerten Bedingungen diesen Gedenkmonat möglich gemacht haben.

Ihr

Falk Schmidt-Tobler

Vorsitzender der Bezirksversammlung