Steffi Wittenberg und die Ida-Ehre-Schule

"Die Erinnerung soll ja auch als Warnung dienen gegen Neonazis, die trotz demokratischer Verhältnisse in unserem Lande noch ihr rassistisches Unwesen treiben können.“
(Steffi Wittenberg, Schirmfrau des Monats des Gedenkens, anlässlich einer Gedenkstunde an der Ida-Ehre-Schule 2013)

Was hätte Steffi Wittenberg (1926-2015) zu den Vorgängen im März an der Schule gesagt, die sie bis 1935 besuchte und mit der sie später so viel verband? In Zeiten, in denen ein paar Antifa-Sticker gegen rechts, ein Kunstprojekt der Oberstufe, so bedrohlich erscheinen, dass sie von der Schulbehörde entfernt wurden? Ohne Rücksprache mit den Betroffenen? Steffi Wittenberg wusste genau, was Denunziationen bedeuten können. Als Neunjährige wechselte sie von der Jahnschule (heute Ida-Ehre-Schule) zur Israelitischen Töchterschule in der Karolinenstraße; die Lage war für die jüdischen Schüler*innen unerträglich geworden. Nach deren Schließung besuchte sie die Talmud-Tora-Schule am Grindelhof. Im Dezember 1939 konnte sie mit ihrer Mutter fliehen, sie folgten ihrem Vater und ihrem Bruder nach Uruguay. Viele ihrer Schulkameradinnen, Lehrer*innen und Verwandten wurden deportiert und ermordet.
Unermüdlich, lebenslang, versuchte sie Zeichen zu setzen für eine "friedlichere Welt ohne Rassismus ohne Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus“. Nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatstadt Hamburg im Jahr 1951 begleitete Steffi Wittenberg ihre alte Schule in der Bogenstraße, in der sie 1935 "unerwünscht“ war, einer Schule, die "judenfrei“ hatte werden wollen. Ihre Freude war groß, als die Schule im Jahr 2000 einen neuen Namen erhielt und nach der Hamburger Jüdin Ida Ehre benannt wurde. Und ganz besonders, als die Ida-Ehre-Schule 2007 eine SCHULE OHNE RASSISMUS – SCHULE MIT COURAGE wurde. Jahrzehntelang setzte sie sich für eine bessere Gesellschaft, die Erinnerung an das NS-Unrecht und ein lebendiges Gedenken ein. Mit ihrer alten Schule war sie über viele Jahre freundschaftlich verbunden – regelmäßig sprach sie mit Schüler*innen.
Wenn Steffi noch leben würde, hätte sie im März Protestbriefe geschrieben. An den Ersten Bürgermeister, an den Schulsenator, an die Schulbehörde. Und sie hätte alle an ihrer ehemaligen Schule ermutigt, gerade jetzt sich nicht einschüchtern zu lassen.

Schülerinnen und Schüler, die gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen Neonazis und Antisemitismus angehen und sich öffentlich äußern, haben aus der Geschichte gelernt.

 

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Unsere Schirmfrau Steffi Wittenberg ist von uns gegangen. Mitten aus der Vorbereitung  für diesen Gedenkmonat in Hamburg-Eimsbüttel, "ihrem" Stadtbezirk, in dem sie vor 89 Jahren als jüdisches Kind geboren wurde. Die Unermüdliche, die sich nicht schonte, wenn es galt, gegen das, was sie als Unrecht ausgemacht hatte, die Stimme zu erheben. Angetrieben von der tiefen Sehnsucht nach einer besseren, gerechteren Welt ohne Rassismus und Antisemitismus, ohne Krieg, Verfolgung und Terror.

Sie schaute nicht zu, sie handelte.
Wir vermissen sie jetzt schon.

Die Arbeitsgemeinschaft Monat des Gedenkens in Eimsbüttel

Wir dokumentieren hier ihre Rede Zum Abschluss des erstmalig organisierten Monats des Gedenkens